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05.07.2003 / LOKALAUSGABE DER WAZ / HERNE

Das Sorgenkind blieb einmal sitzen

Realschule Strünkede feiert 50. Geburtstag

"Schnelle Schule" hat nichts mit einem Reifezeugnis in Rekordzeit zu tun. So nennt sich vielmehr der Bautyp, der für Hernes älteste Realschule konzipiert wurde. Die Realschule Strünkede wird heute 50 Jahre alt. "Schnelle Schule" hat nichts mit einem Reifezeugnis in Rekordzeit zu tun. So nennt sich vielmehr der Bautyp, der für Hernes älteste Realschule konzipiert wurde. Die Realschule Strünkede wird heute 50 Jahre alt.

Für eine Realschule ist die Lehranstalt an der Bismarckstraße sehr jung - schließlich wurde das pädagogische Konzept bereits Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelt. Das aufstrebende Bürgertum strebte nach einer Schule für die Mittelschicht, die sich - daher der Name - an der Realität orientieren sollte.

Schaut man heute in die Flachbauten an der Bismarckstraße, orientieren sich die 720 Schüler gerade an der Vergangenheit. In einer Projektwoche arbeiteten die Schüler 50 Jahrzehnte auf: Welche Musik hörte man, wie sah unsere Schule zu dieser Zeit aus? Désirée zwängt sich in ein üppiges Dirndl aus dem Jahre 1953. Das wird sie auf der Modenschau vorführen - auf der heutigen Feier (12-17 Uhr). Ob sie so ein Kleid heute noch tragen würde? "Nie", sagt Désirée entschieden. Vor 50 Jahren dagegen symbolisierte dieses Kleid noch die Sehnsucht nach Urlaub und Süden.

Freilich, die Schüler kleideten sich so nicht. Lehrerin Ilona Gören, eingeschult 1955, erinnert sich: "Die Mädchen mussten sogar im Winter Röcke tragen. Unter dem Kleid hatte ich immer Wollhosen an, die am Beinende eng geschnürt wurden." Es ziemte sich so. Hernes erste Realschule durften damals allerdings nur Herren besuchen, Mädchen fuhren nach Wanne oder Bochum. Die inzwischen so beliebte Schulform existierte anfangs nur für eine Minderheit. Erst waren die Schüler im Gymnasium (heute Hauptschule Neustraße) zu Gast, Ende 1955 zogen sie in die Berufsschule am Westring. Erst zehn Jahre später baute die Stadt der expandierenden Schule ein eigenes Gebäude. Und 1975 gab man dem Kind auch einen Namen. Fortan hieß die "Realschule I" aus Nähe zum Schloss "Strünkede". Dabei waren die Ritter von Strünkede als "rauf- und fehdelustig" bekannt. Um der Ehre willen: Auch als strenge und gelehrte Gerichtsherren. Die Realschule wuchs prächtig, das Gebäude entwickelte sich jedoch zum Sorgenkind. Der Bautyp "Schnelle Schule" war eine architektonische Fehlkonstruktion. Fensterrahmen faulten, die Eisenkonstruktion rostete, die Dächer waren undicht. Manche Klassenräume waren kaum heizbar. Für sechs Millionen DM baute man Anfang der 90er Jahre um. In nur 15 Monaten hatte 1965 die Firma Krupp in Fertigbauweise die Flachbauten erstellt. 18 Monate brauchte man nun, um das vielgepriesene "Herner Modell" wieder schülertauglich zu machen. Das ist mehr, als einmal sitzen bleiben.

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